Montenegro, Bergwelt mit Zypressen bei Dolovi
Montenegro, Bergwelt mit Zypressen bei Dolovi
Insel St. Stefan bei Budva.
Insel St. Stefan bei Budva.
Budva.
Budva.

 

Montenegro

 

In Nikšić ist der Himmel zweigeteilt, links zucken Blitze, rechts brüllt die Sonne. Kaffee trinken in einem Kaffeehaus mit WiFi-Nutzung des Etablissements, der Kaffee war lecker und kostete echte 60 ct. Das Land hat einfach den Euro eingeführt, ohne die EZB groß um Erlaubnis zu fragen. Viel Zeit wird nicht auf die Besichtigung der Stadt verwendet. Die Altbausubstanz wie auch der Jugosoz sind reichlich verschlissen, das Zentrum eine Baustelle, doch es wird nicht wirklich mit Hochdruck gewerkelt.

 

In Podgorica soll es einen tollen Camping geben, aber ich finde es ums Verrecken nicht, stattdessen eine gated leisure facility. Schwere Eisentore, Kameras, Wechselsprecheinrichtungen, Tor auf, SUV rein, Tor zu. Frage den Security, er weiß nichts von einem Zeltplatz. Ist auch wurscht, denn die schwarze Wolkenwand übernimmt den Himmel. Flucht nach Westen, zur Adria-Küste. Die montenegrinische Bergwelt und das heimliche Ziel Albanien werden endgültig von der Liste genommen.

 

Der Verkehr ist dicht. Viele Touristen aus Russland und der Ukraine, Stoßstange an Stoßstange. Später, auf dem Zeltplatz bei Budva bestätigt eine junge ätherische Ukrainerin, dass es für ihre Landsleute chic ist, mit eigenem Auto Tausende Kilometer in den Urlaub zu fahren, auch wenn sie sonst nichts und die Rückfahrt als voll doof erleben. Und tatsächlich sieht man nicht nur einmal schön klischeehaft die Platinblonde am Steuer, den Bierbauch daneben mit einer Pulle in der Hand, auf den Rücksitzen die Blagen und/oder die Oma...

 

Bis Budva geht es ordentlich bergauf. Tolle Serpentinen, doch dank Verkehr hat man wenig davon. Was auch gut ist, denn gefühlt an jeder dritten Parkbucht stehen die Cops mit Lasergeräten. Und wieder geht es vom Pass hinab, und wieder gibt es einen grandiosen Ausblick – doch diesmal erstmals auf die Adria! In der Abendsonne! Leider-leider kann man nirgends anhalten und das auf sich wirken lassen.

 

In Budva fahre ich an einem Zeltplatz vorbei, aber der ist direkt an der lärmigen Fernverkehrsküstenstraße. Der nächste, wo auch die feenhafte Ukrainerin sein wird, liegt etwas nördlich, dort wo sich die niedliche St. Stefan-Halbinsel befindet. Doch oh: Sämtliche Kioske (Wasser! Bier! Essen! Sofort!) sind zu, der nächste Supermarkt liegt weit weg. Dusche? Kaltes Wasser gerne, aber warmes, naja, sehr ökologisch sonnengewärmt aus einem Fass auf dem Dach. Wenn alle, dann Pech. Strom im Sanitärtrakt? Eine Steckdose muss reichen, die anderen sind quasi Attrappe. Stehklos sind ja okay, doch wehe, man verlässt sich auf das Vorhandensein von Klopapier... Das alles für stolze 8€. Es gibt ein Beachrestaurant, aber da geht es fast einen Kilometer lang bergab, Steilküste, nicht wahr, also in Hinblick auf einen Kilometer den Berg hoch des Abends darauf verzichtet. Um 20h20 etwa Sonnenuntergang, um 21h00 ist es schon stockfinster. Ein Lastwagen voll mit vergammelten Holzstrandmöbeln donnert durch das Camp, die Ukrainerin sagt, das passiert regelmäßig in den zwei Wochen die sie schon da ist. Die Jungs bunkern sich derart Brennholz für den Winter. Scheiße schwül. Kein Schlaf nirgends. Um 2 Uhr – noch 28° vor dem Zelt, darinnen wahlweise 31° ohne Mücken oder 29° mit, öffnet man alle Schleusen. Dafür spielt Budva am Horizont Lichtorgel. Dort tobt der Bär. Auf dem Campingplatz trudeln belgische Pfadfinder ein. Sie lärmen bis vier.

 

 

07.07.

Über den Bergen dampft es, die Sonne steckt unter einem zarten Schleier. Rundfahrt durch Budva, welches zu früher Stunde schon voller ex-Sowjet-Touristen, abgestiegen und über die Küstenpromenade flaniert. Viele Buden, Fast Food. Die chicen Restaurant stehen vornehm abseits in Parks und Schatten. Yachten ohne Ende.

 

Wieder zurück in die Berge, um die Perle des adriatischen Montenegro, Kotor, von oben her anzusteuern. Unterwegs ein klitzekleiner Abstecher in den Nationalpark Lovćen. Finde ein ruhiges Plätzchen, springe in einen kalten Bergfluss, super. Leider türmt sich Müll im Gebüsch. Zwei Nachwuchshooligans des FK Partizan Belgrad kommen entgegen und drücken mir wortlos einen Stapel Aufkleber in die Hand.

 

In den Bergen nieselt es, danach verschwinden wir in den Regenwolken. Schön kühl. Eine antike Guzzi-V7, weiß und mit Anhänger, kommt entgegen. Nach zig nummerierten Spitzkehren taucht unten die Bucht von Kotor auf. Drei Kreuzfahrtschiffe darinnen. Scheint ein lieblicher Kurort zu sein. Bei Ankunft: bestätigt. Nur dass Kotor im Stau ersäuft. Auf der Hauptstraße geht nichts, auf der Küstenstraße noch weniger; sie ist eine schmale Gasse, auf der LKW, Busse, Campingmobile plus Gegenverkehr im Schrittempo Richtung Fähre gurken. Null Chance vorbeizukommen, und es fängt an in Strömen zu regnen.

 

Die Grenze zu Kroatien liegt oben auf dem Pass – und ist rammelvoll. Elegantes Vordrängeln mit dem Motorrad spart bestimmt eine halbe Stunde Wartezeit, doch auch so dauert es ebenso lange. Diesmal sind alle Dokumente in Griffnähe, auch die vermaledeite Grüne Karte. Hinter der Grenze etwa 5 km Stau in die Gegenrichtung nach Montenegro. Schengen, ick liebe dir.

 

Tee-Kochen an der einzigen Steckdose. Aber die Aussicht...
Tee-Kochen an der einzigen Steckdose. Aber die Aussicht...